Daniel Laufer

Cybermobbing: Wie Internettrolle Jagd auf Menschen machen

Sie verschicken falsche Bombendrohungen an Schulen, Einkaufszentren und Bahnhöfe und haben damit in Deutschland und Österreich Hunderte Polizeieinsätze ausgelöst. Oft geben sie sich als Islamisten aus. Dahinter steckt eine Szene junger Männer, in deren Zentrum die Gruppe »NWO« steht. »Was Schulen angeht, habe ich schon al-Qaida und den IS überholt«, prahlt einer von ihnen in einem Voicechat. Einzelne Opfer terrorisiert die Szene über Jahre, etwa mit falschen Notrufen. An deren Adressen kommt sie offenbar auch, indem sie die Polizei austrickst.

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Die E-Mail, die 2024 in der Adventszeit im Postfach der Schule im baden-württembergischen Mannheim landet, löst Alarm aus. Ein »Abu Ibrahim« behauptet, in der Schule sei ein Sprengsatz deponiert worden. Um zwölf Uhr werde die Bombe explodieren. »Hamas ist groß, Hezbollah ist groß, al-Qaida ist groß«, schreibt der Verfasser.

Die Sekretärin findet die Drohmail früh am Morgen und ruft Eva-Maria Kuonath an. Sie leitet das Gymnasium und die Realschule des Kurpfalz, einer Privatschule. »Was machen wir jetzt?«, habe die Sekretärin sie gefragt, sagt Kuonath. Sofort sei bei ihr das Kopfkino losgegangen. »Warum will man Schulen als Ziel angreifen?«, fragt sie. Wer auf Schulen ziele, ziele auf Kinder.

Kurz darauf habe die Polizei Entwarnung gegeben. Die E-Mail stellte sich als mieser Scherz heraus, als Teil einer Serie von Drohschreiben, die an Schulen in ganz Deutschland gingen.

»Mehr Schaden als echte Terroristen«

Einen Tag später trifft sich eine Gruppe von Jugendlichen in einem Sprachchat auf der Plattform Discord. Die Behörden müssten aufhören, die Drohungen ernst zu nehmen, spottet einer von ihnen. »Sonst haben wir mehr Schaden gemacht als echte Terroristen.« Aufnahmen davon liegen dem SPIEGEL, »ZDF frontal«, dem »Standard« und dem »ZDF Magazin Royale« vor. »Was Schulen angeht, habe ich schon al-Qaida und den IS überholt«, sagt einer, der sich »Goldjunge« nennt, stolz im Chat. Er ist damals etwa 15 Jahre alt.

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    Ausgezeichnet mit dem True Story Award (Recherche), dem One World Media Award (News), dem National Headliner Award (3. Platz, Online Investigative Reporting) und dem AMEJA Award (Best Investigative Reporting), nominiert für den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis (Magazin), auf der Shortlist der Amnesty Media Awards (Written Feature, Written Investigation)

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