Cybermobbing: Wie Internettrolle Jagd auf Menschen machen
Sie verschicken falsche Bombendrohungen an Schulen, Einkaufszentren und Bahnhöfe und haben damit in Deutschland und Österreich Hunderte Polizeieinsätze ausgelöst. Oft geben sie sich als Islamisten aus. Dahinter steckt eine Szene junger Männer, in deren Zentrum die Gruppe »NWO« steht. »Was Schulen angeht, habe ich schon al-Qaida und den IS überholt«, prahlt einer von ihnen in einem Voicechat. Einzelne Opfer terrorisiert die Szene über Jahre, etwa mit falschen Notrufen. An deren Adressen kommt sie offenbar auch, indem sie die Polizei austrickst.
Die E-Mail, die 2024 in der Adventszeit im Postfach der Schule im baden-württembergischen Mannheim landet, löst Alarm aus. Ein »Abu Ibrahim« behauptet, in der Schule sei ein Sprengsatz deponiert worden. Um zwölf Uhr werde die Bombe explodieren. »Hamas ist groß, Hezbollah ist groß, al-Qaida ist groß«, schreibt der Verfasser.
Die Sekretärin findet die Drohmail früh am Morgen und ruft Eva-Maria Kuonath an. Sie leitet das Gymnasium und die Realschule des Kurpfalz, einer Privatschule. »Was machen wir jetzt?«, habe die Sekretärin sie gefragt, sagt Kuonath. Sofort sei bei ihr das Kopfkino losgegangen. »Warum will man Schulen als Ziel angreifen?«, fragt sie. Wer auf Schulen ziele, ziele auf Kinder.
Kurz darauf habe die Polizei Entwarnung gegeben. Die E-Mail stellte sich als mieser Scherz heraus, als Teil einer Serie von Drohschreiben, die an Schulen in ganz Deutschland gingen.
»Mehr Schaden als echte Terroristen«
Einen Tag später trifft sich eine Gruppe von Jugendlichen in einem Sprachchat auf der Plattform Discord. Die Behörden müssten aufhören, die Drohungen ernst zu nehmen, spottet einer von ihnen. »Sonst haben wir mehr Schaden gemacht als echte Terroristen.« Aufnahmen davon liegen dem SPIEGEL, »ZDF frontal«, dem »Standard« und dem »ZDF Magazin Royale« vor. »Was Schulen angeht, habe ich schon al-Qaida und den IS überholt«, sagt einer, der sich »Goldjunge« nennt, stolz im Chat. Er ist damals etwa 15 Jahre alt.
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Jeffrey Epstein hat mehr als 2,5 Millionen Dollar in die deutsche Onlinebank N26 investiert, als sie sich noch im Aufbau befand. Das Geld floss über zwei Risikokapitalfonds von Valar Ventures, einer von Peter Thiel mitgegründeten Investmentfirma. Das zeigen vertrauliche Investorenunterlagen und E-Mails aus den Epstein-Files. Die beiden Wiener Gründer sagen, sie hätten von der Beteiligung nichts gewusst.
11. Februar 2026DER SPIEGELZDF frontalDER STANDARD
Jeffrey Epstein wurde 2013 Kunde der Deutschen Bank, da war er bereits ein verurteilter Sexualstraftäter. Interne E-Mails aus den Akten des US-Justizministeriums zeigen: Die Bank kannte sein Geständnis, erfuhr später von den Aussagen Dutzender minderjähriger Mädchen und stufte ihn als »hohes Risiko« ein. Trotzdem hielt sie an ihm fest. Über mindestens 40 weitere Konten liefen Zahlungen für Epsteins Stiftung, sein Flugzeug und seine Ranch, auch an junge Frauen. Erst Ende 2018, nach neuen Medienberichten, beendete die Bank die Geschäftsbeziehung.
»Das ist Joscha Bach, mein Mann für künstliche Intelligenz«, schrieb Jeffrey Epstein 2014 an den früheren US-Finanzminister Larry Summers. Heute ist Bach einer der bekanntesten deutschen KI-Forscher, und das hat viel mit Epstein zu tun. Tausende E-Mails, Chatverläufe und Kontoauszüge aus den Epstein-Akten zeigen: Epstein vermittelte ihn ans MIT, finanzierte den Umzug seiner Familie nach Boston und überwies ihm von 2013 bis 2019 offenbar mehr als eine Million Dollar. Bach bat ihn immer wieder um Geld, der Kontakt reichte weit ins Private.
10. September 2025DER SPIEGELZDF frontalThe GuardianARIJDe Tijd
Zwei Scharfschützen der israelischen Armee sollen Kriegsverbrechen in Gaza begangen haben. Im November 2023 erschossen sie offenbar mehrere unbewaffnete Männer einer Familie, darunter einen 19-Jährigen, der den Leichnam seines Bruders bergen wollte. Videoaufnahmen belasten sie. Einer von ihnen ist ein junger Mann aus Bayern.
Der aus Österreich stammende Martin Held gibt sich als Westler, der in Russland eine neue Heimat gefunden hat, und hilft dem russischen Propaganda-Apparat in der EU. Recherchen zeigen, dass sein Unternehmen vom russischen Staatsfernsehen bezahlt wurde. Und an seiner Erzählung stimmt etwas nicht: Seine Familie hat sich erst vor Kurzem ein Haus in Niederösterreich gekauft.
In der Tanzshow »Shen Yun« wird die moderne Gesellschaft verteufelt und die Evolutionstheorie einfach weggesungen. Hinter »Shen Yun« steckt eine Sekte, die ihre Ideologie nicht nur in Propaganda-Shows, sondern auch in einem weltweit aktiven Medium verbreitet.
Wikipedia ist die vielleicht wichtigste Webseite unserer Demokratie. Eine Internet-Utopie, wo jede und jeder freien Zugang zu Wissen hat. Doch das System ist fragil. Rechtsextreme haben die Offenheit Wikipedias genutzt, um Informationen und Diskurse zu manipulieren. Mutmaßlich schrieben sie mithilfe von Hunderten von Fake-Accounts Artikel zur deutschen Geschichte um, erfanden Fakten, relativierten den Holocaust. Ob die Täter wirklich gestoppt wurden, ist bis heute nicht klar. Der Podcast »Sockenpuppenzoo« nimmt ihre Spuren auf und fragt: Wer sind diese Menschen? Und können wir Wikipedia heute wirklich noch vertrauen?
Nominiert für den Prix Europa (Audio Investigation)
Irgendwo im beschaulichen Berlin-Kreuzberg will sich eine Einheit aus tapferen Recken nicht damit zufrieden geben, dass die deutsche Medienlandschaft vom links-grün-woken Zeitgeist komplett verschlungen wird. Als rechtspopulistische Meinungsfreiheits-Avengers zieht das Team von »Nius« durchs Netz, um mit Artikeln, Podcasts und Video-Formaten ihre ganz eigene Wahrheit ans Licht zu bringen. Dabei lassen sie sich nicht von nervigen Dingen wie moralischen Prinzipien oder journalistischer Sorgfalt beirren und geben Rechtsextremen bereitwillig eine Bühne.