Daniel Laufer

#allesdichtmachen-Initiator: Volker Bruch stellte Mitgliedsantrag bei Querdenker-Partei

Der »Babylon Berlin«-Star wollte in »Die Basis« eintreten, das Verfahren läuft noch. netzpolitik.org konnte Dokumente einsehen, die dies belegen. Dabei hatten Initiatoren von »#allesdichtmachen« eine Nähe zur »Querdenken«-Bewegung vehement von sich gewiesen.

Volker Bruch wollte in die Corona-Protest-Partei »Die Basis« eintreten. Der »Babylon Berlin«-Star gilt als einer der Initiatoren der Kampagne »#allesdichtmachen«, mit der sich rund 50 Schauspieler:innen gegen die staatlichen Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus stellen. Die Aktion war stark kritisiert worden, wurde innerhalb der »Querdenken«-Bewegung aber euphorisch gefeiert. Verantwortliche hatten wiederholt betont, Überschneidungen mit »Querdenken« seien höchstens inhaltlicher Natur. Im Fall von Volker Bruch belegen Recherchen von netzpolitik.org jedoch eine politische Nähe.

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»Die Basis« hatte sich im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Schutzmaßnahmen gebildet. In Baden-Württemberg kam sie bei ihrer bislang einzigen Landtagswahl auf gerade mal ein Prozent, in bundesweiten Umfragen spielt sie keine Rolle. Angeschlossen haben sich der Partei jedoch Szenegrößen wie Markus Haintz, Aktivist der vom Verfassungsschutz beobachteten »Querdenken«-Gruppe Ulm. Für den Bundestag kandidieren unter anderem der Arzt Wolfgang Wodarg, der Verschwörungsmythen über das Virus verbreitete, und der Epidemiologe Sucharit Bhakdi, der durch unbelegte Aussagen zu Impfungen auffiel, und der Anwalt Reiner Fuellmich, dessen bereits im Voraus bezahlte Sammelklage gegen Christian Drosten krachend zu scheitern droht.

Ein Querdenker?

Der Fall Volker Bruch

Corso – Kunst und Pop

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Es ist offenbar dieses Umfeld, in dem sich Volker Bruch politisch engagieren wollte. netzpolitik.org konnte eine auf Mitte April datierte Mitgliederliste einsehen, die vorläufige Mitgliedsnummer des Schauspielers endet auf »967«. Als Eintrittsdatum wird der 13. März 2021 genannt. Laut dem Medienbeauftragten der Partei David Claudio Siber ist Bruchs Eintrittsverfahren noch nicht abgeschlossen, da seine Identität noch entsprechend einem parteiinternen Prozess verifiziert werden müsse. Neumitglieder müssten demnach zunächst ihren Personalausweis vor einer Webcam zeigen. Es klingt, als sei das bei Bruch aber eher eine Formalie. Siber sagt, man könne bereits mit Gewissheit sagen, dass es sich bei dem Antragsteller tatsächlich um den Schauspieler handele.

Die Mitgliederliste stammt aus einem massiven Leck, das im vergangenen Monat bekannt wurde. »Die Basis« hatte zum Teil sensible Daten von rund 15.000 Personen ungeschützt ins Netz gestellt, bemerkt hatte dies das Hackerkollektiv Anonymous. Zwar sprach die Partei zunächst von einem Hackerangriff, räumte später jedoch ein, selbst schuld an dem Vorfall zu sein. Um einen »Hack« handelte es sich bei dem Datenleck im technischen Sinn nicht.

Aufkeimende Nähe

Dass Volker Bruch schon lange vor der Veröffentlichung von »#allesdichtmachen« einen Mitgliedsantrag bei der »Basis« gestellt hat, daran besteht ein öffentliches Interesse. Das liegt vor allem daran, dass für die Aktion Verantwortliche eine etwaige Nähe zu »Querdenken« in der Öffentlichkeit entschieden von sich gewiesen haben.

Nachdem ein Shitstorm ausgebrochen war, sagte der im Impressum der Kampagne genannte Filmproduzent Bernd Katzmarczyk Wunder dem NDR-Magazin ZAPP, Bruch sei einer von drei Initiatoren gewesen. Gemeinsam mit dem Schauspieler Jan Josef Liefers und dem Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann hat Bruch demnach »#allesdichtmachen« ins Leben gerufen.

»Eine da hinein orakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern u.ä. weise ich glasklar zurück«, schrieb Liefers schon am Morgen nach der Veröffentlichung auf Facebook. Brüggemann klagte gegenüber netzpolitik.org, jeder, der sich gegen die Maßnahmen stelle, werde »in die Querdenker-Ecke gestellt«.

Dass Volker Bruch nun auf der Mitgliederliste einer Partei auftaucht, die aus der »Querdenken«-Szene heraus entstanden ist, zeigt, wo »#allesdichtmachen« seine Wurzeln zumindest teilweise hat.

Ansprechpartner für Teilnehmende

Bei der Aktion war der Schauspieler nach Recherchen von netzpolitik.org Ansprechpartner für eine Reihe von Teilnehmenden, nach der Veröffentlichung wurde der Vorwurf laut, die Verantwortlichen hätten Informationen zurückgehalten.

Zu seiner eigenen Rolle schweigt Bruch. Eine Anfrage von netzpolitik.org ließ er unbeantwortet, auf Instagram schreibt er – angeblich als Antwort auf Fragen des Spiegel: »Wir haben entschieden, nichts über die Aufgabenverteilung preiszugeben, um jeden Einzelnen zu schützen.«

Gerade steht er für die vierte Staffel von »Babylon Berlin« vor der Kamera, gedreht wurde vergangene Woche am Roten Rathaus in Berlin. Wegen der Pandemie müssen Schutzmaßnahmen getroffen werden, große Produktionen eine hygienebeauftragte Person benennen. Fotos der Berliner Morgenpost zeigen auch am Set von »Babylon Berlin« Schauspieler:innen, die FFP2-Masken tragen, wenn die Kamera nicht gerade auf sie gerichtet ist.

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    Hauptdarsteller ohne Maske

    Volker Bruch, der Hauptdarsteller, muss bei den Dreharbeiten keine solche Maske tragen. X Filme Creative Pool, die Produktionsfirma hinter »Babylon Berlin«, teilte uns am Donnerstag über eine PR-Agentur auf Anfrage mit: »Volker Bruch verfügt über eine ärztliche Befreiung vom Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.«

    Er selbst schreibt auf Instagram, eine Maske zu tragen sei ihm aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich. Dies sei einer der Gründe, weshalb er angefangen habe, die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zu hinterfragen.

    Über Bruchs Attest ist nichts weiter bekannt. Dass es grundsätzlich äußerst leicht zu sein scheint, an eine Befreiung zu gelangen, zeigte aber ein Bericht von Correctiv. Das Recherchezentrum hatte den Verein »Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie« (MWGFD) unter die Lupe genommen, der Kontakte für Atteste gegen die Maskenpflicht vermittelte. Auf seiner Website rief er Ärzt:innen dazu auf, Patient:innen von der Maskenpflicht zu befreien. Prominent in Erscheinung traten damals Sucharit Bhakdi und Wolfgang Wodarg, die heutigen Bundestagskandidaten der »Basis«.


    Textlizenz: Creative Commons BY-NC-SA 4.0

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